Schon sehr verheißungsvoll war unsere erste Etappe unserer Brenta-Tour im frühen Sommer 2025. Unsere Entscheidung, loszumarschieren, bevor der große Rummel einsetzt, erwies sich als goldrichtig. Der erste Tag mit dem Aufstieg auf gut 2000 Meter war indes nur der Zuweg zu der Tour von Hütte zu Hütte, auf die wir sehr gespannt sind: Am Rifugio Peller steigen wir in den Dolomiti Brenta Trek ein. Was wird uns wohl während der nächsten Woche erwarten?

Ein völlig ungewohntes Ziel in der Brenta: Um 7.30 Uhr sitzen wir nur zu dritt beim Frühstück im Rifugio Peller. Das junge italienische Pärchen, das auch noch hier geschlafen hat, hält wohl noch nicht so viel vom frühen Aufstehen. Ehrlicherweise: Ich ja auch nicht. Aber da für heute Nachmittag die „Möglichkeit von Regen“ auf der Wetter-App erscheint, wollen wir früh weg. Aufgrund vieler guter Gespräche, Aus-Checken und den Versuch, schon jetzt unsere Betten für den Rückweg zu reservieren (hier kommt der erste Schock: an unserem Wunschtermin ist das Rifugio schön komplett durch eine Reisegruppe ausgebucht), die Beschäftigung mit der Wanderkarte und das Fotografieren der Infotafel zu unserem Dolomiti-Brenta-Trek wird es dann aber doch 9 Uhr, bis wir loskommen.

Zunächst geht es auf einem Forstweg ziemlich eben hinüber zur Malga Clesera – einer Alm der neuen Partnerstadt von Reutte in Tirol: Cles. Zwei riesige Ställe stehen da, allerdings scheinen noch nicht allzuviele Tiere da zu sein. In der Ferne grasen ein paar Pferde, in der Nähe betrachten uns ein paar neugierige Kühe…

Die Alm von Reuttes neuer Partnerstadt: die Malga Clesera.

Kurz hinter der Alm kommt uns ein junger Hund mit einem Mann entgegen. Ich spreche ihn auf Italienisch an. Aber er scheint nicht so recht durchzublicken. Vom Äußeren her schätze ich ihn als einen Rumänen oder Bulgaren ein – vielleicht gibt es ja auch in der Brenta einen Mangel an einheimischen Hirten

Kurz darauf können wir den Forstweg verlassen, und ein herrlicher Lärchenwald erfreut mein Herz. Dieses junge Grün ist einfach meine Farbe und tut meiner Seele gut. Auch die in voller Blüte stehenden Alpenrosenbüsche begeistern mich.

Heimatfilm-Feeling: Wenn die Alpenrosen blüh’n….

Christine wiederum wagt auf rund 2000 Metern ein Bad im Lago di Salare. Und kommt mit jubelndem Lachen zurück. „Überhaupt nicht kalt!“, strahlt sie übers ganze Gesicht. Aber das ist ja ohnehin ihre Standard-Einschätzung als passionierte Eisbaderin.

„Es lächelt der See, er lockt zum Bade“: Christine traut sich!

Ging es bis hierhin noch relativ gemütlich voran, so werden wir kurz darauf zum ersten Mal heute richtig gefordert. Ein zackiger Anstieg erwartet uns, viel steiler als der relativ gleichmäßige Weg bergauf zur Hütte gestern. Aber das ficht uns nicht groß an, denn wir sind gut drauf.

Kurze Pause auf dem Anstieg zum Passo di Nana.

Die Landschaft mit ihrer überwältigenden Blumenpracht und den jetzt erstmals auftauchenden gewaltigen Felsmassiven beflügelt uns wohl, und voller Zufriedenheit lassen wir uns am Passo di Nana zur Mittags-Jause nieder – mit Blick auf das herrliche Porphyr-Massiv des Monte Palon. In der Sonne, die sich jetzt durch den Nebel gekämpft hat, ist es so gemütlich, daß ich sogar kurz einnicke.

Faszinierend: der Monte Palon.

Danach frage  ich mich, warum dieser Platz auf 2200 Meter denn eigentlich „Passo“ heißt. Denn für uns geht es nun noch steiler als zuvor weiter in die Höhe (und nicht, wie ich bei diesem Namen vermutet hätte, erst einmal bergab). Aber Wurst: Nach oben müssen wir eh. Und meine neuen Wanderstöcke bewähren sich: Mit ihnen kann ich mich munter nach oben schieben. Sie stammen halt aus meiner schwäbischen Heimat:  von Leki in Kirchheim.

Blumenpracht überall: Nicht nur die Schwefelgelbe Anemone erfreut mein Herz.

Von den Geröllfeldern entlang der gewaltigen Felsenkette auf der gegenüberliegenden Seite des Val Nana, die von der Cima Vallina (2397 m), der Cima Omet (2467 m) und der Cima Uomo (auf deren Grat wir drei Wanderer entdecken) gebildet wird, höre ich immer wieder Geräusche von herunterpurzelnden Steinen – aber de vermutlich dazugehörigen Tiere entdecke ich wohl im Gegensatz zu Arco, unserem treuen vierbeinigen Begleiter (der immer wieder konzentriert auf die andere Seite des Tales schaut) leider nicht.

Auch ihm tasugt’s über den Wolken: Arco ist voll konzentriert…

Umso elektrisierter bin ich, als wir ganz in der Nähe tatsächlich das erste Murmeltier nicht nur hören, sondern auch sehen: Dessen Kumpel hatten uns schon auf der Malgs Clesera akustisch begrüßt. Seelenruhig steht es da und taucht erst ab, als wir nur noch ein paar Meter entfernt sind. Meine Lieblingstiere lassen mir halt immer wieder  das Herz aufgehen…

Daß mit diesem Anstieg das Schlimmste auf dieser Tour vorbei sein würde, war indes wieder mal ein typischer Fall von denkste. Die letzten 50 Höhenmeter müssen wir quasi senkrecht hinauf zum Saletta di Nana – und dabei überschreiten wir die 2500-Meter-Marke. Von diesem „Sättelchen“  sehen wir auch unser heutiges Ziel: das Bivacco Constantin ist zum Greifen nah.

Aber schnell sind wir dennoch  nicht da – bei dem steilen Abstieg über bröckelndes Gestein will jeder Schritt bedacht sein. Arco hat es auf seinen vier Pfoten da viel leichter und suhlt sich sogar noch genüßlich auf den Resten eines Schneefeldes…

Nach gut sechs Stunden ist es dann aber doch geschafft. Wir genießen den Blick auf die herrlichen Blumen direkt vor der Biwak-Tür und die mächtigen Formationen des Sasso Rosso („roter Fels“/2645 m) und der Cima Benon (2684 m) mit ihren zackigen Spitzen über uns.

Geschafft! Nach gut sechs Stunden sind wir am Ziel!

Aber dann sind wir froh, uns in die kleine Hütte zurückziehen zu können.

Spartanische Einrichtung, aber wir schlafen prima: das Bivacco Constanti

Ein kalter Wind beginnt zu wehen. Er soll Regen bringen: Für morgen herrschen nicht gerade rosige Wetter-Aussichten. Und dabei haben wir eine lange Tour mit über 1700 Höhenmetern vor uns. Vielleicht müssen wir also umplanen. Aber warten wir erstmal ab…

Abend-Blick zum Sasso Rosso.

Geschrieben am 6. Juli 2024

Länge: etwa 10 Kilometer 

Höhenunterschiede: 700 Höhenmeter bergauf, 320 ab

Start: 9 Uhr

Ankunft: 15.07 Uhr

(Anmerkung: Unsere Zeiten unterscheiden sich von den im Internet und auf den Wegweisern angegebenen reinen Gehzeiten. Sie sollen darstellen, wie lange etwas ältere Wanderer mit 13-Kilo-Rucksack, die auch gern einmal rasten und die Schönheiten am Wegesrand betrachten  oder sich mit anderen unterhalten, de facto – und nicht theoretisch – gebraucht haben).

Und hier die ersten beiden Folgen meiner Serie über den Dolomiti Brenta Trek:

Dolomiti Brenta Trek (1): Malé – Rifugio Peller

 


1 Kommentar

Dolomiti Brenta Trek (3): Bivacco Constanti – Rifugio Graffer – Jürgen Gerrmann · März 30, 2025 um 2:17 pm

[…] Dolomiti Brenta Trek (2): Rifugio Peller – Bivacco Constanti […]

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